Donnerstag und Freitag war ich auf der TCDisrupt 2018 in Berlin. Hierbei handelt es sich um eine Konferenz des Medienunternehmens TechCrunch, das Gründer, Investoren, Studenten und alle anderen Interessierten in die Arena nach Berlin einlud. Neben einem Konferenzprogramm, auf dem sowohl Unternehmen als auf Investoren von ihren Erfahrungen und Plänen sich den Journalisten von TechCrunch stellten, gab es Workshops, eine

Präsentationsfläche für junge Unternehmen und “CrunchMatch”, ein ständiges Speeddating von denjeningen Unternehmensvertretern und Journalisten, die im Vorfeld über eine App gegenseitiges Interesse am Gespräch angemeldet haben. Das alles in entspannter Atmosphäre und mit Angebot eines Abendprogramms.

Ein weiterer wesentliche Teil war auch der Startup-Battle. Aus anfänglich 13 Startups, die in der Vorrunde jeweils einer Jury aus fünf Investoren pitchten ging es in die Finalrunde aus fünf Unternehmen, Imago AI, Kalepso, Legacy, Polyteia und Spike. Es gewann das schweizer Unternehmen “Legacy”, aber besonders gut gefielen mir Imago AI und Polyteia.

Imago AI hat eine Anwendung “Phenox” entwickelt, die bei der Phänotypisierung von Pflanzen hilft, und derzeit von Samenherstellern in Indien entwickelt wird. Die Gründer wollen hiermit Probleme von Ernteausfällen und Ineffizienz im Anbau angehen.

Gewinner des Herzens ist für mich aber Polyteia, nicht nur weil er es als deutscher Kandidat bis ins Finale geschafft hat. Polyteia wendet sich an Bürgermeister, Kämmerer, Amts- und Sachgebietsleiter und Ratsmitglieder und versteht sich als intelligente Steuerungsplattform für Städte und Gemeinden. Das Ziel ist die Daten zusammenzuführen, die den Fachbereichen vorliegen und in den meisten fällen bisher als Silos einen Gesamtblick auf die Lage der Städte und Gemeinden verhindern. Ich würde es als ein Überführen der Systeme in die Gegenwart bezeichnen. Und natürlich hab ich da im Hinterkopf, dass es nach einer solchen Aggregation deutlich leichter sein wird, für Interessierte diese Daten dann über eine API zur Verfügung hinstellen.

Und was noch? Was auf jeden Fall ein Hingucker war und mich ins Nachdenken brachte, war Roborace. Ein Startup das u.a. von dem Rennfahrer Lucas Di Grassi gegründet wurde. Roborace entwickelt ein E-Auto, das vollkommen selbständig fährt. Und damit das natürlich entsprechend Spass macht, und um die Leistung zum Limit zu treiben, entwickeln sie ein Rennauto. Mithilfe von Bilderkennung und der Verarbeitung und Reaktion auf die Daten von etlichen Sensoren wird das Auto über eine Rennstrecke gejagt. In der ersten Version wurde das Auto mit einer selbständigen Intelligenz ausgestattet. Das Modell 2.0 bietet dann nicht mehr nur platz für die Sensoren und Rechner, sondern auch für eine Person, die das Auto ebenso autark lenken kann. Auf diese weise wird nach der ersten Iteration nun ermittelt, ob ein (welcher) Unterschied besteht, zwischen dem Fahren einer natürlichen Person und einer künstlichen Intelligenz. Der erste Unterschied – die AI war 20% langsamer als der Rennfahrer – wurde mittlerweile auf 6% reduziert. Zwar ist das Unternehmen durch die Sponsoren finanziert, die damit Entwicklungsergebnisse erreichen wollen, aber tatsächlich wird es gewiss auch möglich, hier eine neue Art Autorenn-Kategorie zu starten. Denn während derzeit bei Rennen mit menschlichen Fahrern auch im hohen Maß die Sicherheit im Vordergrund steht, kann man diese Restriktion unter AI-Autos lösen. Beispielsweise werden so Rennen auf einer Rennstrecke in Form einer Acht möglich, wo also die künstlichen Intelligenzen einen Weg finden müssen kollisionsfrei und trotzdem optimal schnell über die Strecke zu jagen.

Ich bin nicht nur neugierig, ob sich das als Sportart mit der entsprechenden Zuschauerbasis entwickeln wird, genauso bin ich aber auch gespannt, wie die Ergebnisse dieser Experimente uns im Bereich autonomes Fahren nach vorne bringen werden.

Ein besonderes Feature, das die Einstellung der Gründer ausdrückt, ist die Tatsache, dass sie ihre Ergebnisse und die Software für das Auto, sowie die Modelle einer Rennstrecke und des Autos selbst, als Open Source zur Verfügung stellen. So kann jeder also seine eigene Fahr-AI entwickeln, und damit vielleicht auch besser sein, als die Ergebnisse, auf die Roborace kommt. Ziel ist dann, dass die Open Source-AIs untereinander antreten, und der Gewinner dieser Vergleiche auf das Auto aufgespielt wird, um es so im Real Life fahren zu lassen.

Ich weiss nicht was ihr denkt, aber die Zukunft wird aufregend und großartig.

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