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Europas führendes Digital-Event

Was für ein Zufall, der zeitliche Zusammenfall dieser beiden Ereignisse. Die Deutsche Messe AG gibt das Ende der CeBIT bekannt, des Leuchtturms deutscher Schaffenskraft in der Informationstechnologie, dessen Strahlkraft über die Jahre mehr und mehr verblasste. Oder in eigenen Worten: “Europas führendes Digital-Event”. Gleichzeitig fand in Berlin die TCDisrupt 2018 statt, auf der junge Unternehmen aus ganz Europa (und darüber hinaus) nach Berlin kamen, um sich auszutauschen, Verbindungen zu knüpfen, Kunden und Investoren zu suchen, und sich als diejenigen zu feiern, die unser Leben und Arbeiten in den nächsten Jahren nachhaltig zum Guten verändern wollen. 1986 geboren war die CeBIT 30. Jahre alt, als das amerikanische Unternehmen TechCrunch die Rückkehr der Konferenz “Disrupt” aus London nach Berlin ankündigte.

Natürlich sind die beiden Messen nicht deckungsgleich in Inhalt und Zielgruppe. Aber genau das zeigt das Dilemma: während sich die CeBIT über die Jahre nicht angemessen an die Umwelt, die Interessen und den Zeitgeist anpasste, ja vielleicht sogar hoffte, dass diese sich an die Wünsche der Messe anpassten, entwickelte sich auch in Deutschland ein vielseitiges Ökosystem aus Startups, die in einem gänzlich anderen Format großen Spaß miteinander haben und sich gegenseitig inspirieren. Warum scheiterte das „deutsche Konzept“? Warum zeigt uns ein amerikanisches Medienunternehmen, wie man es richtig macht, und wir kriegen es selbst nicht hin?
Weil es darum geht, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Beteiligten den Raum lassen, sich selbst auszudrücken. Raum lassen die Dinge zu tun, die sie gerne machen wollen und für nötig halten, um zu wachsen. Dazu gehört die Bereitschaft, sich von altem zu trennen, um neues zuzulassen. Dazu gehört Riskobereitschaft.

Bei der Cebit, insbesondere dem Führungsgremium aus niedersächsischem Wirtschaftsminister, Finanzminister, Umweltminister, Bürgermeister und der IG Metall klappte das offensichtlich nicht. Hier waren zu viele Interessen am Werk, um genau dies zu leisten. Anstatt bewusst, vielleicht kontrolliert, den Raum für kreative Zerstörung zu schaffen, war es vermutlich wichtiger, kontrollierte Veränderung zu kuratieren. Das ist nicht die Methode, mit der man Zukunft schafft. Und so ist mit dem Tod der CeBIT hoffentlich auch der Glaube gestorben, dass eine politische Klasse Firmen führen kann. Zumindest kann sie langfristig keine Firmen führen, bei denen man nicht in der bequemen Situation eines Monopols ist, aus dem die Interessenten nicht ausbrechen können.

Wir brauchen weniger Prozesspolitik und mehr Ordnungspolitik, wenn wir das zukünftig hinbekommen wollen. Wenn wir das nicht schaffen, dann werden nicht nur eine Menge Hotels und Gastronomen in Hannover Umsatzeinbußen haben, sondern wir werden mehr und mehr abgehängt. Das ist schlecht für Deutschland, das ist schlecht für Europa, das ist schlecht für uns.

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