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Das vermeintliche Schollenproblem

Ein Freund sandte mit folgenden Artikel als Anregung zu einer Diskussion. 

https://www.ipg-journal.de/rubriken/soziale-demokratie/artikel/raus-aus-dem-linksliberalen-la-la-land-3041/

Als ich meine Gedanken dazu sammelte dachte ich mir, dass ich sie im Grunde genommen auch öffentlich zur Diskussion stellen könnte. Hier sind sie also.

 

Mit dem Artikel habe ich so meine Probleme.

Eine der Prämissen ist zu Beginn, wenn ich das richtig verstanden habe, die gedankliche Aufteilung in die Globalisierungsverlierer und -gewinner. Nämlich an der Stelle, wo gesagt wird, dass die Sozialdemokratie die Antwort auf den nationalstaatlich verfassten Kapitalismus gewesen sei, aber eben nicht auf den globalen. Diese gedankliche Trennung durchzieht den Beitrag und wird nur an einigen Stellen aufgebrochen, wo sich nämlich der Trugschluss in dieser Annahme zeigt – also dort wo z.B. von den bürgerlichen Kosmopoliten die Rede ist.

Warum halte ich das für falsch? Ich denke dass im aktuellen Zeitgeist sich für uns die gesellschaftliche Frage stellt, in wieweit wir nach vorne gehen, und bereit sind einen Teil der Vergangenheit aufzugeben (wie das immer so ist, wenn man sich weiterentwickelt), also eine Art aufklärerischer Evolution vollzieht, oder ob man nicht lieber erheblichen Aufwand betreibt, um im warmen Schoß der Gegenwart länger zu bleiben. Das mag sich zum einen darin zeigen, dass wir globalisierteres Wirtschaften heute haben, aber is letzten Endes viel transzendenter. Es zeigt sich angefangen bei kulinarischen Einflüssen, kulturellen Einflüssen, unterschiedlichen Lebensentwürfen, ja letzten Endes etwas so banalem wie der Gleichberechtigung der Frau. Die beschriebene Reduktion halte ich daher für unterkomplex und massiv verfehlt. Ebenso ist es glaub ich etwas weit her geholt allein darauf basierend zu argumentieren, wenn wir an sich volkswirtschaftlich betrachtet immer noch ein prosperierender Staat sind, und nicht eine Armutswelle wie in/nach den industriellen Revolutionen erleben.

Das für uns zu lösende Gesellschaftliche Problem ist imho, ob wir bereit sind, aktiv gestaltend die Einflüsse aufzunehmen und in Anerkennung, Annahme und Abgrenzung unsere neue gesellschaftliche Identität zu finden, oder sich (ängstlich?) dem per se zu verwehren und jeder Änderung des Status Quo mit Energie und krampfhafter vielleicht pathologischer Selbstvergewisserung mit Hilfe archaischer Werte zu reagieren.

Eine Beschränkung auf die bildhaften Gruppe von Kosmopoliten halte ich für fast gefährlich. Denn auch außerhalb der Metropolen sind diese Veränderungen angekommen, und Menschen müssen sich damit auseinandersetzen – und kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Wie gehen wir damit um? Und was bedeutet das für Parteien? Auch wie in dem Beitrag angeschnitten aus strategischer Prespektive?

Wie immer kann man das Fortschreiten des Weltgeists nur in der Synthese sehen ;-P Aufklärung brauch Erklärung. Das Verständnis, dass Dinge kaputt gehen und das nicht das Ende der Welt bedeutet. Also Aussagen, dass man auf jeden Fall Arbeitsplätze wird erhalten können sind Aussagen, die Parteien zukünftig in die Ecke drängen werden. In die Ecke in der sie nur noch krampfhaft versuchen können, den Status Quo zu verteidigen, sich damit als leichtes Erpressungsopfer all derer anbieten, die heute den Status Quo dominieren und eigentlich dem Untergang geweiht sind. Gerade wenn die SPD sich bei den Bewahrern einordnet, wird sie selbst dem unaufhaltsamen zum Opfer fallen. Das mögen andere erkannt haben, die selbst langfristiger Planen, oder auch diejenigen, die innerhalb einem kurzen Zeitpunkt viel erreichen wollen, macht ansammeln, um dann Pläne jenseits des demokratischen Systems verfolgen.

Also in diesem Sinne halte ich es für einen ausgesprochen schlechten Hinweis, nicht die Scholle der „Kosmopoliten“ zu besetzen, „weil sie schon ziemlich voll sei“. Diese Polarisierung ist ausgesprochen feindlich gegenüber dem Ziel eine gesellschaftliche kooperative Lösung zu finden. Denn wie beschrieben – das Bild der zwei Schollen ist falsch, wir Menschen sind nicht so binär, und was zählt ist die Glaubwürdigkeit in dem eigenen Vorhaben und sich einen Themenbereich zu finden, den man kompetent vertreten  kann, und mit dem man die Menschen einbindet. Und ihnen so die Angst vor dem jeweils anderen Extrem nehmen kann. Weil die Zukunft nicht im Extrem liegen wird.

 

Was denkst du?

 

 

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